24.06.2025

Baumbegegnungen

Es gibt wohl keine bessere Methode zu sich selbst zu finden, als in der Natur mit allen Sinnen zu begegnen. Sei es das Betrachten eines üppigen Waldes, das Horchen von plappernden Pappeln, der Anblick der zum Himmel ragenden Tanne, der Duft des feuchten Mooses oder der genussvolle Verzehr leckerer Blätter.
Die beste Zeit all unsere Sinne zu kitzeln ist der Morgen und die Vormittagsstunden. Am Nachmittag ziehen die Pflanzen ihre Energie wieder in sich zurück.
Einen meditativen Spaziergang im Wald durchzuführen ist heilsam für Körper, Seele und Geist. Mit Bäumen Gespräche zu führen ist eine leicht erlernbare Meditationstechnik, um die Kraftfelder um uns herum wahrzunehmen. Es bedingt die vollkommene Anwesenheit von uns Menschen. Die Natur bietet die beste Möglichkeit, innerlich still zu werden, den Geist zu beruhigen und die spirituelle Anbindung zu pflegen. Menschen, die regelmässig bewusst einen Wald aufsuchen sind gesünder und messbar glücklicher. Die Liste der wohltuenden Effekte ist beeindruckend und in asiatischen Ländern schon lange und vielfach medizinisch erforscht.
Die wichtigsten Effekte sind…
• entspannt bei Überforderung
• hilft innerlich leer zu werden und wahrzunehmen WAS IST
• reduziert Stress, fördert innere Ruhe und Ausgeglichenheit
• wirkt schmerzlindernd, stärkt das Immunsystem
• lässt das Gehirn lernfähig bleiben bis ins hohe Alter
• verstärkt die Problemlösungskompetenz
• weckt alle Sinne
• steigert die Wahrnehmungsfähigkeit, ohne zu bewerten
• nährt nachhaltige Glücksgefühle

Durch das achtsame Begegnen mit den Baumwesen wirst du die sinnlichen Erfahrungen und Möglichkeiten verstärken.
Wir können niemals gleichzeitig alle Sinne ansprechen. Wenn du ganz im Schauen bist, wird sich die Kapazität auf den visuellen Seh-Sinn verstärken. Das gleiche gilt für das Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken. Anfangs wird es nicht ganz einfach sein, bei der einen Sinneswahrnehmung zu bleiben und nicht in Alltagsgedanken abzugleiten.
Aber durch ständiges Training wird es machbar.
Indem du deine Aufmerksamkeit auf die Umgebung richtest, auf die Geräusche rings um dich, ebenso wie du dich dann auf die Düfte und Gerüche und dabei gleichzeitig deinen Körper wahrnimmst und spürst, bringst du dich ins Hier und Jetzt.
Baumbegegnungen und Baumgespräche zu üben, sind eine optimale Möglichkeit für Achtsamkeit, Präsenz und Anwesenheit mit all den damit verbundenen, positiven Begleiterscheinungen.
Mit einem bewussten Baumgespräch, das die Sinne aktiviert, nimmst du gleichzeitig das Leben, die Natur in der ganzen Lebendigkeit rings um dich herum wahr. Du verbindest dich mit der heilsamen Schwingung und baust eine nährende Beziehung zu dir selbst auf.
Praktische Durführung:
1.Ankommen – deinen Körper spüren mit allen Sinnen.

Nimm bewusst einen Platz ein. Setze oder stelle dich bequem hin. Jetzt lenke deine Aufmerksamkeit auf deine Körper. Dabei schliesse am besten die Augen. Nimm dir dafür die Zeit, die es braucht, damit du in deinem Körper und damit am Ort ankommst und wirklich hier bist und lass die Gedanken vorbeiziehen.
2. Die Umgebung ansehen und wahrnehmen.
Richte deinen Blick auf die Umgebung oder den Horizont. Dein Blick darf auf einen Punkt gerichtet sein, während du deine Augen gleichzeitig dabei entspannst. Probiere dein Sehspektrum und damit Gesichtsfeld langsam zu vergrössern und optisch viel mehr wahrzunehmen als gewöhnlich.
Auch, wenn du nichts konkret scharf siehst, kannst du jetzt vielleicht die kleinsten Bewegungen, bestimmte Wesen bemerken – z.B. eine Fantasiefigur, ein Vogel, der auf einem Ast landet, ein Blatt, das sich im Wind bewegt. Probiere das Sehen mit dem Körper wahr zu nehmen.
3. Hinhören was ist.
Richte nun deine ganze Aufmerksamkeit jetzt auf das Hören. Hier kann es auch anfangs hilfreich sein, wenn du deine Augen schliesst. Stell dir vor, dass du ein einziges grosses Rundum-Mikrofon bist, das jedes noch so kleinste Geräusch aufzeichnet. Achte beim Hören darauf, alle Geräusche in deiner Umgebung zu erfassen – egal ob ganz nah oder weit weg. Dazu gehört das Vogelgezwitscher um dich herum genauso wie das Bellen eines Hundes in der Nähe oder das leise Rauschen der Autobahn in der Ferne. Schliesse nichts aus, lass alles zu. Spüre die Schallwellen mit dem ganzen Körper.
4. Fühlen mit dem ganzen Körper.
Nun richte deine gesamte Aufmerksamkeit auf das Fühlen. Das Organ für das Fühlen an sich, ist in erster Linie deine Haut. Lenke deine ganze Aufmerksamkeit daher auf die gesamte Oberfläche deines Körpers. Stell dir vor, wie dein ganzer Körper jeden noch so kleinsten Windhauch, Regentropfen, Temperaturschwankung bis hin zu den feinsten Vibrationen in der Umgebung aufzeichnet. Lass dich berühren von allem im Aussen, was in irgendeiner Weise eine Empfindung in dir auslöst. Fühle mit deinem ganzen Körper.
5. Die Umgebung riechen und schmecken
Hier richtest du deine Aufmerksamkeit auf deinen Geruchs- und Geschmackssinn. Wie beim Hören und Fühlen kann es hier anfangs vorteilhaft sein, deine Augen dabei zu schliessen. Achte beim Einatmen auf all die vielen Nuancen an Gerüchen, die dich umgeben. Du wirst sehen, dass es eine unglaubliche Vielfalt an Gerüchen gibt, auf die du im Alltag gar nie achten würdest.
Ziehe auch bewusst deinen Geschmackssinn mit ein, der sehr eng an das Riechen geknüpft ist. Wie schmeckt die Luft gerade, die du einatmest? Rieche und schmecke mit deinem ganzen Körper.
Du kannst gerne auch ein Blatt oder eine Blüte (die du kennst) in den Mund nehmen. Achte dabei besonders darauf, dass du wirklich beim Riechen und Schmecken bleibst und nicht ins Fühlen abgleitest.
6. Alle Sinne „gleichzeitig“ – Wachsein und Einssein mit Natur.
Zuerst kannst du alle Sinne einzeln für sich durchgehen und jedes Mal, wenn du zum Platz gehst, das Nächste ausprobieren und üben. Du kannst aber auch, wenn es für dich stimmig ist, alles „gleichzeitig“ geschehen lassen. In jedem Fall wird es von dir fordern ganz da, ganz präsent zu sein. Und vielleicht erlebst du dabei sogar den Punkt, wie du mit deiner Umgebung verschmilzt und eins wirst.
7. Persönlichen Kontakt mit dem Baum, der dich gerade anspricht.
Nimm die Zeichen mit allen Sinnen wahr, die dir gerade auffallen, Aussehen, Duft, Form oder Struktur. Es ist, als ob du dir vorstellst, dass die Natur selbst lebendig ist und mit dir kommuniziert, vielleicht durch den Wind, die Blätter oder die Ruhe, die ein Baum ausstrahlt.
Sei offen für die Botschaften und wisse, dass du Teil der Natur bist und, dass du dich mit ihr verbunden fühlst und ihre Weisheit wahrnimmst. Es ist eine schöne Vorstellung, dass die Natur uns auf eine besondere Weise anspricht, wenn wir aufmerksam sind und uns auf sie einlassen.
Wenn du Lust hast, schreibe die Botschaften als Inspiration für dich auf. (So sind auch meine Baumkarten entstanden).

Bäume und andere Pflanzen sind lebendige Wesen, die wachsen, verletzt werden, sich selbst heilen, sich wohlfühlen und auf ihre Umgebung reagieren. Ihre Botschaften sind leise und subtil, wir verstehen sie nur, wenn wir ganz gegenwärtig sind.
Bäume brauchen ein Fundament, eine Wurzel, die mit der Vergangenheit verbunden ist. Einen sichtbaren Stamm, der die Gegenwart symbolisiert. Die Baumkrone, die sich entfaltet und zielgerichtet dem Licht nachstrebt. Selbst dann, wenn sie von Menschenhand beschnitten wird. Bäume haben das Ziel fruchtbar zu sein und zweifellos uns Menschen sowie der Umgebung zu dienen. Und schliesslich die Umgebung zu nähren. So wie es unsere Bestimmung sein sollte, unsere Talente zu teilen.

Diese Art von Ritual wirkt schnell und nachhaltig. Je öfter du es praktizierst, desto nachhaltiger ist die Wirkung.

Mit bäumigen Grüssen
Katharina