Wünschen oder erwarten….

Alle haben wir Wünsche und Erwartungen. Diese beiden Begriffe haben eine komplett unterschiedliche Dynamik und Beides liegt oft sehr nahe beieinander.

Während wünschen und hoffen erst einmal alles offenlässt lässt und sich eine aktive Dynamik entwickeln kann, hat die Erwartung eine passive Dynamik.

Wünsche halten den Weg offen für Kommunikation, Freude und Zuversicht.  Wünsche regen zum Diskutieren und Verhandeln ein, ohne im Voraus eingeschnappt oder voreingenommen zu sein.

Hingegen sind Erwartungen meist schon vorstrukturierte Meinungen, die erfüllt werden sollten.

Im Wünschen liegt also die Freiheit, dass sich etwas entwickeln kann.

Nicht umsonst lassen zum Beispiel Menschen, die sich etwas Besonderes wünschen ihre Wünsche mit einem Luftballon ins Universum fliegen.

Wenn dann noch ein Wunsch in Erfüllung geht, beginnt das Herz zu tanzen.

Natürlich sind beide Verhaltensweisen an persönliche Bedürfnisse geknüpft.

Im Gegensatz zum Wünschen kann das Erwarten sehr oft und schnell in Enttäuschung, Verwirrung und Missverständnis enden. Damit wird eine konstruktive Kommunikation schwierig. Da kommt mir gerade das Buch vom bekannten Philosophen Paul Watzlawick in den Sinn, das den Titel trägt «Anleitung zum Unglücklichsein»

Ganz banale Erwartungen können in grossen Missverständnissen enden und schon hat die abwärts, nicht endende Spirale zu drehen begonnen. Gerade in Beziehungsangelegenheiten ist die Erwartungshaltung oft ein zentraler Konfliktpunkt. Wenn nicht ausgesprochene Wünsche in Erwartung umschlagen macht sich Unzufriedenheit oder Frust breit. In Beziehungen reden wir von der bedingungsloser Liebe; Erwartung ist aber immer an Bedingung gekoppelt. Nämlich das Gefühl der oder die andere sollte etwas ändern oder tun, während man selber in der passiven Erwartung stecken bleibt.

Das Problem von vielen Menschen ist es, dass sie glauben genau zu wissen was sein Gegenüber empfindet. Es entsteht somit ein vorfabrizierter Zustand. Dabei behaupten wir doch ganz individuelle Wesen mit persönlichen Prägungen und Erfahrungen zu sein. Ich erachte es als eine Überheblichkeit zu meinen, das Gegenüber so gut zu kennen und so zu tun, als ob man genau das Gleiche fühlt oder denkt.

Das Sprichwort: «Wer in die Fussstapfen der Anderen tritt, hinterlässt keine eigenen Spuren». von Wilhelm Busch, bringt es auf den Punkt.

In diesem Sinne glaube ich, dass es ratsam ist, achtsam zu sein ob wir wünschen oder erwarten.

Eine mir nahestehende Person hat mir mal gesagt: «Immer mehr erwarte ich weniger» darin steckt die ganze Wahrheit. Wenn wir lernen mehr und offen über unsere Wünsche zu reden, müssen wir nicht erwarten.

In diesem Sinne teile ich meine Gedanken und wünsche damit zum Nachdenken anzuregen.

Katharina Hospenthal

geschrieben am 29. März 2021

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